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Gesellschaftskritik: Wie gehen wir mit Drogensucht um?

Gesellschaftskritik: Wie gehen wir mit Drogensucht um?

“Everything you think you know about addiction is wrong”, so lautet der provokante Titel von Johann Haris TED-Talk. Der britisch-schweizerische Autor hat sich intensiv mit dem Thema Drogenpolitik befasst und vertritt folgende These: Menschen, die einmal oder auch mehrmals Drogen nehmen, werden nicht automatisch süchtig. Vielmehr ist es ihr Umfeld, das sie zu Süchtigen macht.
In seinem Vortrag zeigt Johann Hari anhand mehrerer Beispiele, dass die Gesellschaft seiner Ansicht nach falsch mit dem Thema Drogensucht umgeht.

Zum Beispiel nahm die Wissenschaft lange Zeit an, dass jeder Mensch ein gewisses Drogensuchtpotenzial in sich trägt. Diese Annahme wurde durch Studien Anfang des 20. Jahrhunderts untermauert. Damals wurden Experimente an Ratten durchgeführt, bei denen man ihnen im Käfig die Möglichkeit gab, zwei Sorten von Wasser zu trinken: normales und mit Morphin versetztes Wasser. Die Ratten wählten fast immer das Drogenwasser, dosierten es über und starben. Dieses Ergebnis galt jahrelang als Beweis dafür, dass Drogen süchtig machen. In den 1970ern nahm sich der kanadische Psychologe Bruce K. Alexander des Themas erneut an. Laut ihm führten die Ratten im ersten Experiment ein trostloses Dasein in leeren Käfigen und hatten gar keine andere Wahl, als zur Droge zu greifen. Für sein neues Experiment baute er deshalb den sog. „Rat Park“: ein großer Käfig, in dem mehrere Ratten mit genügend Futter, Spielzeug und Bewegungsspielraum zusammenlebten. Das Ergebnis: Die Ratten wählten deutlich seltener das Drogenwasser und kein Tier starb an einer Überdosis.

Für Johann Hari zeigt dieses Beispiel, dass es beim Thema Drogensucht nicht nur um Chemie geht, sondern auch um die Umgebung und das soziale Umfeld. Sein Appell: Anstatt Drogenabhängige zu stigmatisieren, sollten wir ihre Lebensbedingungen verbessern, damit sie leichter aus der Drogensucht kommen oder bestenfalls erst gar nicht in die Drogensucht fallen. Sein Fazit: “The opposite of addiction is not sobriety. The opposite of addiction is connection.”

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Der TED-Talk von Johann Hari ist im Juni 2015 erschienen. Das Video könnt ihr Euch hier in voller Länge ansehen:

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