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Cannabis aus chemischer Sicht unter die Lupe genommen

Cannabis aus chemischer Sicht unter die Lupe genommen

„Cannabis wissenschaftlich geprüft“ – so lautet das neue Video auf dem YouTube-Channel „maiLab“. Dieses gibt einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zum Thema Cannabis aus chemischer Sicht und zählt mittlerweile, drei Tage nach Veröffentlichung, rund 400.000 Views (Stand: 17. Mai).

Das Gesicht von „maiLab“ ist Mai Thi Leiendecker (vorher: Nguyen-Kim), eine studierte Chemikerin, Moderatorin und Influencerin. Mit ihrem wissenschaftsjournalistischen Content erzielt die 32-Jährige eine hohe Reichweite im Netz. Der YouTube-Channel „maiLab“ hat über 900.000 Abonnenten und gehört dem „funk“-Netzwerk der Öffentlich-Rechtlichen an.

In ihrem Cannabis-Video nimmt Mai die Cannabispflanze aus chemischer Sicht unter die Lupe, beginnend mit einer Chemie-Geschichtsstunde zum Thema. Dazu werden diverse Thesen, Klischees, Wirkungspotenziale und Fragen geprüft, indem Mai unter Berücksichtigung der aktuellen Forschung erklärt, wie Cannabis chemisch gesehen im Körper wirkt. Dafür reißt Mai entsprechende Studien an und stellt fest: Durch Cannabis bzw. Cannabinoide werden im Körper viele verschiedene Rezeptoren angesprochen. Cannabis sei dementsprechend ein „Dirty Drug“, also eine Droge, bei der die Wirkung vielfältig und (wissenschaftlich) nicht immer ganz einfach nachzuvollziehen sei.

Auch das Thema Cannabis-Legalisierung wird behandelt. Dabei orientiert sie sich an zwei, ihrer Ansicht nach „Hauptargumenten“ von Legalisierungs-Befürwortern:

(1) Cannabis ist doch harmlos, vergleich das mal mit Alkohol!

(2) Cannabis ist medizinisch so wertvoll, das darf man nicht einschränken.

Dies ist zweifellos eine zu kurz gefasste Darstellung der Pro-Legalisierung-Seite – aber vor dem Hintergrund der Gliederung des Videos nachvollziehbar. Denn grundsätzlich unterteilt Mai zwischen Cannabiskonsum aus medizinischen Gründen und aus Genussgründen. Diese beiden Seiten müssten nach Mais Ansicht bei der Legalisierungsfrage getrennt voneinander bewertet werden – und nicht zuletzt müsse auch getrennt voneinander argumentiert werden.

Mit Blick auf die aktuelle Einteilung in legale Drogen (z.B. Alkohol und Tabak) und illegale Drogen (z.B. Cannabis) kommt Mai zu dem Schluss, dass diese Einteilung „nicht logisch“ sei, da sie weder wissenschaftlichen noch medizinischen Kriterien folgen würde. Eine Legalisierung von Cannabis lasse sich dadurch aber nicht ableiten – „logisch“ wäre in diesem rationalen Kontext nur das Verbot von legalen Drogen wie Alkohol und Tabak.

empfohlener Beitrag

Interessante Denkanstöße liefert Mai zum Schluss ihres Videos noch zum Thema Entkriminalisierung („Drogenausweis“) und gesellschaftliche Stigmatisierung von Drogensüchtigen. Zu letztgenannter Debatte empfehlen wir Euch unseren Beitrag zum TED-Talk von Johann Hari („Everything you think you know about addiction is wrong”).

Das Cannabis-Video von „maiLab“ soll als Auftakt für die neue Reihe „Drogen wissenschaftlich geprüft“ dienen – die erste Folge könnt ihr Euch hier nochmal in voller Länge anschauen:

Zum wissenschaftlichen Background von „maiLab“: Mai Thi Leiendecker studierte von 2006 bis 2012 Chemie an der Universität Mainz und am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Ab 2012 arbeitete sie als Doktorandin an der RWTH Aachen, der Harvard University und dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung. 2017 promovierte sie an der Universität Potsdam.

 

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