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Rituelles Rauschmittel: Rund 2.700 Jahre alte Reste von Cannabis in Israel gefunden

Rituelles Rauschmittel: Rund 2.700 Jahre alte Reste von Cannabis in Israel gefunden

In einem ca. 2.700 Jahre alten Heiligtum in Israel haben Archäologen Reste von Cannabis entdeckt. Dies ist der früheste Nachweis von Cannabis im Nahen Osten. Die Forscher vermuten, dass die Pflanze aufgrund ihrer berauschenden Wirkung im Rahmen von Ritualen bewusst eingesetzt wurde.

Nach und nach erfahren wir mehr über frühe Nutzung von Cannabis als Rauschmittel. Nachdem im Juni 2019 Cannabis-Überreste aus ca. 2.500 Jahre alten Räuchergefäßen im chinesischen Pamir-Gebirge geborgen wurden, gehen die neuen Funde noch ein paar Jahrhunderte weiter zurück in die Vergangenheit: Fundort sind die Ruinen von Tel Arad, einer judäischen Festungsstadt im Beersheba-Tal. Bereits in den 1960er Jahren entdeckten Archäologen das Heiligtum aus der Zeit um 750 v. Chr., darin unter anderem zwei Altäre (siehe Bild).

Die dunkleren Rückstände, die sich auf dem kleineren Altar befanden, wurden jetzt genauer untersucht: Ein Forscherteam unter anderem vom Israel Museum in Jerusalem entnahm Proben, die sie mithilfe der Gaschromatografie-Massenspektrometrie auf ihre Zusammensetzung hin analysierten. Das Ergebnis: Das dunkle Material erwies sich als verbranntes Cannabis.

Den chemischen Analysen zufolge wurde die Pflanze mit getrocknetem Viehdung vermischt: ein in der Wüstengegend häufig verwendeter Brennstoff, der nicht sehr heiß wurde, aber lange schwelte. Auf dem Altar wurden auch keine erkennbaren Pflanzenreste gefunden, weshalb die Forscher vermuten, dass die Cannabispflanze in Form von Haschisch verbrannt und für diesen Zweck auch eigens importiert wurde.

„Die Entdeckung von Cannabis auf dem kleineren der beiden Altäre war eine Überraschung“, so die Forscher. „Zwar kennt man halluzinogene Substanzen aus Nachbarkulturen, aber dies ist der erste Nachweis eines solchen Rauschmittels aus dem Königreich Juda – und der früheste Nachweis von Cannabis im Nahen Osten.“

Es wird vermutet, dass die Menschen das Haschisch auf dem Altar verbrannten, um sich mithilfe des halluzinogenen Rauchs leichter in eine kultische Ekstase zu versetzen. „Cannabisrauch ist nicht sonderlich wohlriechend und sein Duft rechtfertigte sicher nicht die Beschaffung dieses Pflanzenmaterials von weit her“, sagen die Forscher. „Es ist daher plausibel, dass das Cannabis im Heiligtum von Tel Arad absichtlich als Rauschmittel eingesetzt wurde.“

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Die Forscher schlussfolgern, dass die Nutzung von Cannabis als Rauschmittel eine zentrale Rolle in den im Königreich Juda durchgeführten kultischen Ritualen gespielt haben könnte. Dafür, dass Cannabis für diesen Zweck importiert wurde, spricht auch der Fund von Weihrauch auf dem zweiten Altar im Heiligtum: Der Weihrauchbaum kam damals vor allem im Süden Arabiens vor. Die Menschen könnten dieses Räuchermittel von arabischen Händlern erworben haben, weil die Gegend von Beersheba im achten Jahrhundert an einer Handelsroute lag.

So scheint nicht nur die Cannabis-Nutzung eine lange Tradition zu haben – sondern auch der Handel mit der Pflanze. Den vollständigen Forschungsartikel findet ihr hier.

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