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Studie: Cannabis hilft gegen Parkinson

Studie: Cannabis hilft gegen Parkinson

In einer Studie wurde die Wirksamkeit von Cannabis als Medikament bei Parkinson-Beschwerden untersucht. Dabei zeigte sich erstmals eine nachweisliche Besserung vieler nichtmotorischer Parkinson-Symptome wie Angstzustände oder Schlafstörungen. Das in der Studie verwendete Cannabis-Präparat Nabilon baut dabei auf das psychoaktiv wirkende Cannabinoid THC. Die Forschungsergebnisse der Innsbrucker Universitätsklinik für Neurologie wurden in dem renommierten Fachjournal „Annals of Neurology“ veröffentlicht und haben international für Aufsehen gesorgt.

Parkinson wird häufig von sog. nichtmotorischen Symptomen (NMS) begleitet. Dazu zählen u.a. Funktionsstörungen des autonomen Nervensystems, Geruchsstörungen, Stimmungsschwankungen, Impulskontrollstörungen, Abbau der kognitiven Leistungsfähigkeit, Wahrnehmungsstörungen sowie Halluzinationen. Zudem treten bei Parkinson oft Schlafstörungen auf. Nicht selten nimmt die Belastung durch NMS im Laufe der Krankheit zu, wie Neurologe und Studienautor Klaus Seppi erläutert: „Viele davon können die typischen motorischen Symptome der Parkinson-Krankheit um Jahre oder sogar Jahrzehnte vorwegnehmen.“ Zur Behandlung dieser Beschwerden gebe es bislang jedoch nur wenig Daten aus kontrollierten klinischen Studien. „Die verfügbaren Behandlungsoptionen sind begrenzt beziehungsweise die Ergebnisse oft unbefriedigend“, sagt Seppi.

Dabei scheint sich die Wirksamkeit von Cannabis unter Parkinson-Betroffenen bereits herumgesprochen zu haben. Eine Befragung zeigte, dass 95 Prozent der Parkinson-behandelnden Ärztinnen und Ärzte bereits um die Verschreibung von Medizinalcannabis gebeten wurden. Ausreichende Belege für die Wirksamkeit gab es bislang jedoch nicht.

In der Untersuchung der Innsbrucker Universitätsklinik wurde das Präparat Nabilon verwendet, dessen synthetischer Wirkstoff dem Cannabinoid Tetrahydrocannabinol (THC) gleicht. „Wir haben uns zur Durchführung dieser Studie mit Nabilon entschieden, da dessen Hersteller AOP Orphan das Medikament und das dazugehörige Placebo zur Verfügung gestellt hat“, sagt Seppi. Andere Präparate auf Cannabis-Basis wären aber ebenso infrage gekommen.

In der Studie erhielten schließlich 38 Frauen und Männer mit Parkinson zunächst rund fünf Wochen lang täglich Nabilon, welches bereits zur Behandlung von Übelkeit bei Krebspatienten als Arzneimittel zugelassen ist. Im Anschluss bekam die Hälfte der Teilnehmenden weiter Nabilon, die andere ein Placebo. Bereits während der ersten Studienphase besserten sich die nichtmotorischen Störungen der Teilnehmer deutlich. Sie litten weniger an Schlafstörungen und Angstzuständen. Diese positiven Effekte bestätigten sich im zweiten Teil der Studie: Den Teilnehmenden, die weiterhin das Cannabinoid bekamen, ging es weiterhin besser. Bei der Placebo-Gruppe verschlechterte sich der Zustand dagegen signifikant. Die Auswertung ergab darüber hinaus, dass das Cannabinoid schon bei einer geringen Dosis von einem Milligramm pro Tag positive Wirkungen zeigte. Allgemein hielten sich Nebenwirkungen wie leichter Schwindel oder Müdigkeit in Grenzen.

empfohlener Beitrag

„Unsere Ergebnisse zeigen eine Verbesserung der gesamten NMS-Belastung mit Nabilon, was sich insbesondere in einer Verminderung der Angstzustände und Schlafstörungen widerspiegelt“, resümiert das Forscherteam. „Angesichts der Daten und möglichen Wirkmechanismen können wir sagen, dass Nabilon nichtmotorische Symptome bei Patientinnen und Patienten mit Parkinson zu verbessern scheint“.

Die Forscher haben die Hoffnung, dass Cannabis-Präparate künftig zur Linderung der Beschwerden bei Parkinson beitragen können. Die positiven Ergebnisse ihrer Pilotstudie könnten dabei als Ausgangspunkt für größere kontrollierte Studien dienen.

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