Apotheken können ab sofort medizinsches Cannabis aus deutschem Anbau beziehen

Cannabis made in Germany: Apotheken können ab sofort medizinisches Cannabis aus deutschem Anbau beziehen. Der staatlich organisierte Verkauf von Cannabis zu medizinischen Zwecken hat im Juli begonnen. Bisher musste beim Verkauf von Cannabis-Medikamenten auf Importe zurückgegriffen werden.

Ab sofort können Apotheken über das Portal www.cannabisagentur.de medizinisches Cannabis in pharmazeutischer Arzneimittelqualität zur Versorgung von Patienten vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) beziehen, teilte die Behörde in Bonn mit.

Eigentlich wurde die erste Ernte von Medizinalcannabis aus deutschem Anbau bereits für 2020 erwartet. Nicht zuletzt aufgrund der Corona-Pandemie musste der Zeitplan aber verschoben werden – hier erfahrt ihr mehr zu den Umständen, die zur Verzögerung der Auslieferung geführt haben.

Grundsätzlich wird das medizinische Cannabis pro Gramm zum Preis von 4,30 Euro ohne Überschüsse an deutsche Apotheken verkauft. Ziel des Anbaus in Deutschland sei es, zusätzlich zur Versorgung der Patientinnen und Patienten beizutragen, erklärte das Bundesinstitut. Die deutsche Anbaumenge von medizinischem Cannabis beträgt insgesamt 10,4 Tonnen und ist auf vier Jahre mit je 2,6 Tonnen verteilt. Importe seien aber weiter möglich, heißt es seitens der Behörde.

Folgende Darreichungsformen von medizinischem Cannabis sind aktuell in Deutschland zugelassen (Quelle: Apotheken Umschau):

  • Getrocknete Blüten: Mediziner empfehlen statt Rauchen das Verdampfen mithilfe eines speziellen Vaporisators. Cannabisblüten können auch als Tee verordnet werden.
  • Sprays: In Deutschland sind drei cannabisbasierte Fertigarzneimittel verordnungsfähig. Eines davon ist ein Spray zur Anwendung in der Mundhöhle.
  • Kapseln: Das zweite Fertigpräparat gibt es in Kapselform. Es enthält den Wirkstoff Nabilon, eine synthetische Variante von THC.
  • Öle (Tropfen): Medizinisches Cannabisöl enthält neben THC und CBD weitere Pflanzenstoffe der Cannabisblüte.

In Deutschland ist medizinisches Cannabis seit 2017 erlaubt und darf von Ärzten verschrieben werden. Voraussetzung ist, dass der Arzt eine entsprechende Diagnose stellt und ein Betäubungsmittelrezept verschreibt. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für Therapien jedoch nur, wenn einer Patientin oder einem Patient nicht anders wirksam geholfen werden kann – noch immer eine vom Gesetzgeber aufgestellte hohe Hürde für die deutsche Cannabis-Medizin.

Dennoch ist Cannabis für medizinische Zwecke in Deutschland auf dem Vormarsch. Aktuell werden 73% der Rezepte für medizinisches Cannabis in Deutschland zur Schmerztherapie ausgestellt, wie das Zwischenergebnis der sogenannten Cannabisbegleiterhebung des BfArM ergab

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachten Sie, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen