Eigenanbau von Cannabis - Ein zukunftsfähiges Thema?

Schon vor 5500 Jahren wurde in Europa Hanf angebaut, wie Funde aus Eisenberg in Thüringen belegen. 1455 druckte Gutenberg seine erste Bibel auf Hanfpapier, und auch in den 4045 Jahren dazwischen, gehörte der Hanfanbau zur deutschen Kultur, wie der Anbau von Getreide. Auch zu Rauschzwecken wurde Cannabis in Deutschland schon lange gebraucht, jedoch vor allem als Arznei. Häufig in Klöstern angebaut, erfuhr Cannabis als Medizin allerdings erst im 19. Jahrhundert einen Boom, wurde bald darauf von synthetischen Medikamenten abgelöst, und in den 1930er Jahren per Abkommen verboten.   Die Nutzung von Cannabis als Medizin und Droge, der Eigenanbau und sogar die professionelle Zucht sind aber natürlich nie ganz zum Erliegen gekommen – Prohibition hin oder her. Ob sich das auch heute noch lohnt, was das Strafrecht und der neue Koalitionsvertrag dazu sagen, und wie andere Länder das regeln, erfahrt ihr im folgenden Artikel.

Aktuelle Straflage

Die Strafen zum Anbau von Cannabis, jedenfalls jene, welche nicht als bandenmäßig zu bezeichnen sind, sind im §29 des BtmG festgehalten, und reichen von einer Einstellung über eine Geldstrafe bis zu 5 Jahren Freiheitsentzug, natürlich auch abhängig von der Zahl der Pflanzen. Die Strafen für den bandenmäßigen Anbau beginnen bei 2 Jahren Gefängnis, bei bandenmäßigem Anbau von nicht geringen Mengen bei 5 Jahren. Die geringe Menge, bei der Verfahren eingestellt werden, und die bekanntlich jedes Bundesland selbst festlegt, gilt zwar auch beim Eigenanbau, ist jedoch in der Regel schnell überschritten. Doch das könnte sich im nächsten Jahr drastisch ändern.

Legalisierung

Wie wahrscheinlich niemandem entgangen ist, steht die Legalisierung seit Ende letzten Jahres schwarz auf weiß im Koalitionsvertrag. Seither wird viel diskutiert, denn über THC-Obergrenzen, Abgabemengen oder eben den Eigenanbau ist nichts zu lesen. Bis Ende des Jahres soll der Gesetzesentwurf stehen, für den momentan Experten aus verschiedenen Disziplinen und Ländern gehört werden. Doch auch die deutschen Politiker haben sich in Interviews nicht unbedingt bedeckt gehalten, ob man mit ihren Aussagen allerdings wirklich abschätzen kann, was passieren wird, ist fraglich. Die Grünen sehen in ihrem Cannabis Kontrollgesetz, dass sie bereits seit 2015 in der Schublade haben, den Eigenanbau von drei Pflanzen eindeutig vor. Auch der drogenpolitische Sprecher der SPD, Jörg Heidenblut, sagt, es sei eine “Option”; für ihn persönlich sei die Legalisierung von Eigenanbau sogar unverzichtbar. Auch die drogenpolitische Sprecherin der FDP, Kristine Lütke, äußerte sich im April positiv bezüglich des Themas, auch, wenn sie “nur” ihre persönliche Meinung zu Besten gab. Carmen Wegge, Berichterstatterin der SPD für die Legalisierung von Cannabis (u.a.) sagte, eine Legalisierung sei auch ohne Eigenanbau vorstellbar, man müsse aber in jedem Fall eine Regelung finden. Diese Bedenken, dass Eigenanbau den neu entstehenden legalen Cannabis-Markt schwächen würde, müsse man entkräften, so Wegge weiter.
Außerdem müsse man klären, wie man Eigenanbau sicher gestalten kann. Sie sehe Widerstände von wirtschaftspolitischer Seite. Wegge, sowie auch Heidenblut könnten sich ein spanisches Modell mit Social Clubs vorstellen, über die ihr weiter unten lest.

Aktivisten

Ohne den unermüdlichen Kampf verschiedenster Aktivisten, hätten wir in Deutschland weder ein medizinisches Cannabisprogramm, noch käme die Legalisierung. Und dabei sollte man sich bei weitem nicht nur den Kiffer auf der Hanfparade mit einem Schild in der Hand vorstellen; auch Amtsträger, wie zum Beispiel Richter Müller, Ärzte, wie Dr. Grotenhermen, aber auch Bauern, Forscher, Bänker, Kassiererinnen, Arbeitslose, Manager usw. sind seit über 20 Jahren im Kampf für Cannabis aktiv – jeder nach seiner jeder nach seiner Façon. diese heterogene Gruppe hat sich auf elementare Forderungen zum Eigenanbau geeinigt, die da wären: 

  • die Entkriminalisierung einiger Pflanzen (und anderer Delikte im Zusammenhang mit Cannabis)
  • die Möglichkeit zu gemeinschaftlichem Anbau (wie in Social Clubs)
  • Amnestie: - Erlass von Geldstrafen, die bereits in Kraft getreten sind
  • Verfahrenseinstellung
  • Gefangenenentlassung

Hinzu kommen Forderungen bezüglich des Führerscheins, welchen wir uns in einem anderen Artikel widmen werden.

Ein Blick in andere Länder

Kanada: In Kanada ist Cannabis seit 2018 ab 21 Jahren auch zum Freizeitkonsum legal. Möchte man ein wenig orakeln, wie sich Gesetze und deren Umsetzung bei uns gestalten werden, tut man gut daran in Länder zu schauen, die solche schon erfolgreich umsetzen. In Kanada wurde mit dem Freizeitkonsum auch der Eigenanbau von einigen Pflanzen erlaubt, allerdings nicht in allen Provinzen. Die Provinzen haben, wie bei uns die Bundesländer, eine hohe Selbstständigkeit und Macht, ihre Gesetze anzupassen. Könnte es also auch in Deutschland passieren, dass sich einige Bundesländer gegen den Eigenanbau entscheiden? Und, ziehen wir dann alle dort hin?

Kalifornien: Auch legal, auch 2018, auch 21 Jahre Mindestalter, und der Anbau von bis zu sechs Pflanzen ist ebenfalls erlaubt. Doch in California setzen noch ganz andere Leute auf Eigenanbau, für den es einen großen Markt gibt. Rund 31 Milliarden Dollar nehmen mexikanische Kartelle über ihre illegalen Plantagen dort jährlich ein. Sie machen wohl einfach die besseren Preise; Spottpreise offenbar, wenn sie dem Eigenanbau vorgezogen werden. Könnte es also sein, dass auch hier der Schwarzmarkt weiterhin boomt, und den legalen Markt preislich unterbietet?

Spanien: In Spanien sind Besitz und Konsum von Cannabis im öffentlichen Raum illegal, durch eine Gesetzeslücke im Hausgebrauch allerdings nicht verboten. Auch der Anbau an Orten, die vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen sind, ist erlaubt, allerdings nur für den persönlichen Gebrauch. Durch eine fehlende Möglichkeit Cannabis gemeinschaftlich außerhalb der eigenen vier Wände zu konsumieren, und um sich gegenseitig beim Anbau zu unterstützen entstanden die Social Clubs, die sich in einer rechtlichen Grauzone befinden, inzwischen aber weitgehend akzeptiert sind.

Vorteile

Der Eigenanbau hat viele Vorteile, wie beispielsweise:

  • freie Sortenwahl
  • absolute Kontrolle über Qualität, Düngerbelastung, Streckmittel etc
  • Unabhängigkeit vom Dealer des Vertrauens/Coffee Shop
  • Spaß an der Sache und Lernzuwachs
  • finanzielle Ersparnis

Wie viel man nun aber wirklich spart, wenn man selbst anbaut, konnte nur bei Experten erfragt, und von diesen auch nur geschätzt werden. Der Vollständigkeit halber drucken wir die Antwort hier im Original, jedoch aus Datenschutzgründen ohne Quelle ab: “Momentan ist es schwierig zu sagen, wieviel man durch Eigenanbau spart, da die Strompreise stark gestiegen sind. Aber sagen wir mal, man möchte beginnen; dann ist man samt Anschaffungskosten eines kleinen Zeltes von 1qm beim 1ten Grow pro Gramm bei ca 2,50 €. Danach liegt man bei ca 1-1,50 €, wenn man bei 600 Watt Licht 400g rausholt. In etwa rechnet man halt den Mehrbedarf an Strom und Erde, sowie Dünger aus, und das dann durch den Ertrag. “ Ob sich das lohnt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Nachteile

Natürlich muss man beim Eigenanbau erst einmal investieren, und zwar Zeit und Geld. Die Erstanschaffung kann schonmal teuer werden, auch wenn es nicht lange dauert, bis sich die Grows rentieren. Ein weiterer Faktor sind die Stromkosten, die sowohl gerade signifikant steigen, als auch die Behörden auf sich aufmerksam machen können. Man sollte also besser keine Stromkosten wie ein scheich haben, wenn man alleine in einer Einraumwohnung lebt – das fällt auf! Außerdem stellen die Nachbarn ein zusätzliches Risiko dar, wenn sie Lunte riechen. Auch ein Urlaub ist mit einem Grow schwieriger zu planen, es sei denn, man hat Freunde, die den Hund füttern, und die Pflanzen gleich mit. Zu guter Letzt sei erwähnt, dass die ersten Grows aufgrund mangelnder Erfahrung vielleicht noch nicht das gewünschte Ergebnis bringen, aber Übung macht den Meister.

Equipment

Die Grundausstattung für den Homegrow ist kein Hexenwerk.

Hier eine Checkliste:

  • Growzelt
  • Lampen
  • Töpfe
  • Erde
  • Dünger
  • Zeitschaltuhr
  • Ventilator
  • EC Messgerät (PH Wert Tester)
  • Netz zum Trocknen der Blüten
  • Ernteschere
  • Abluft mit Aktivkohlefilter (wegen der Nachbarn)
  • Thermometer
  • Hygrometer (Luftfeuchtigkeit)

Dauer

Die Dauer des Anbaus variiert, und hängt von der Sorte, dem Standort und dem Umstand ab, ob ihr photoperiodische Pflanzen, oder Autoflowers zieht. Pauschal lässt sich sagen, dass ihr für den gesamten Grow, also Wachstums- plus Blütephase zwischen zweieinhalb und fünf Monaten warten müsst, bis ihr ernten könnt. Hinzu kommt die Trockenzeit, nach der nur noch ein Viertel des Gewichts übrigbleibt.

Ertrag

Die Faustregel zum Gewichtsverlust beim Trocknen kennt ihr nun, und viel mehr kann ich euch von meinem Laptop aus auch nicht sagen. Wieviel Ertrag ihr haben werdet, ist multifaktoriell, kann aber von euch auf verschiedene Arten geschätzt werden. Es gibt beispielsweise eine Formel, die den Ertrag aufgrund der Größe des Anbauraumes bestimmt. Auch sind Wattleistung, Topfgröße, Anbauort, und wie schon erwähnt, die Genetik entscheidend für euer Outcome. Da diese ganzen Optionen den Artikel sprengen würden, empfehle ich euch, doch einfach mal ein bisschen zu googeln. Das Netz hat auf fast alles eine Antwort, und lesen, das ist schließlich noch legal.

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