Lidl-Rückruf-Aktion: EIHA kritisiert Warnhinweis von Discounter, Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Debatte um den gefloppten Cannabis-Coup von Lidl hält an. Vergangene Woche hat der Discounter zahlreiche Hanfprodukte wegen „zu hohem THC-Gehalt“ zurückgerufen und infolgedessen vor gesundheitlichen Nebenwirkungen gewarnt. Der europäische Fachverband der Hanfindustrie (EIHA) kann diese Aussagen nicht nachvollziehen. Währenddessen ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Lidl teilte mit, dass insgesamt sechs Produkte von unterschiedlichen Herstellern zurückgerufen werden – von Haschkeksen über Hanftee bis zu Bio-Hanföl. Alle betroffenen Lebensmittel sollen einen höheren THC-Anteil als gedacht enthalten haben.

Zuvor hatte die bayerische Polizei kurz nach dem Launch der neuen Cannabis-Produktlinie von Lidl eine Razzia bei einer Filiale in Rosenheim durchgeführt – woraufhin der Discounter die Produkte aus allen Läden entfernen ließ. Man würde eng mit den Behörden zusammenarbeiten, hieß es seitens des Unternehmens.

Wie Lidl nun in einer neuen Mitteilung schreibt, sind einige Produkte des tschechischen Herstellers EUPHORIA betroffen. Kunden sollten den Rückruf unbedingt beachten und die Produkte nicht weiter verwenden, warnte das Unternehmen. In den Lebensmitteln sei ein erhöhter Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC) festgestellt worden. Ein Verzehr dieser Lebensmittel könne unerwünschte gesundheitliche Folgen mit sich bringen, beispielsweise Stimmungsschwankungen und Müdigkeit.

Der Europäische Fachverband der Hanfindustrie (EIHA) hat sich nun zum großen Rückruf geäußert. Zwar habe man großes Verständnis für konsequenten Verbraucherschutz, die aktuelle Rückrufaktion könne der Verband aber nicht nachvollziehen. „Der Rückruf betrifft unter anderem Hanfsamenöl, ein sicheres und bei Verbrauchern beliebtes Öl mit wertvollen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Die Überprüfung wird zeigen, dass auch dieses Hanfsamenöl nicht berauschend wirkt und verkehrsfähig ist“, sagt EIHA-Präsident Daniel Kruse.  

Der Fachverband kritisiert seit Jahren die Richtwerte für THC sowohl in Deutschland als auch in Europa. Die Unverhältnismäßigkeit der momentanen Grenzwerte verdeutlicht Kruse am Beispiel des Hanföls: „Um auch nur ansatzweise in den Bereich von unerwünschten milden Wirkungen zu gelangen, müssten sie mehr als eineinhalb Liter dieses Speiseöls konsumieren. Falls sie diese Menge Öl trinken, dürften ihre Stimmungsschwankungen eher daher rühren, dass sie den Gang zur Toilette antreten müssen.“  

Der Verband sieht den Lidl-Rückruf nun umso mehr als Anlass, einen europaweit einheitlichen und wissenschaftlich fundierten THC-Grenzwert einzuführen. „Diese völlig unnötigen Verunsicherungen, wie wir sie aktuell sehen, müssen dringend aufhören", fordert Lorenza Romanese, Geschäftsführerin der EIHA.

Parallel zur Diskussion in der Cannabisbranche könnte Lidl noch mehr Ungemach von der Justiz drohen, so ein Bericht von Business Insider. Wie das Wirtschaftsmagazin von der Staatsanwaltschaft Heilbronn erfuhr, wurde „ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz und wegen eines Vergehens nach § 59 Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch eingeleitet“.  

Die Staatsanwaltschaft habe außerdem mitgeteilt, dass ein von Lidl beauftragtes Rechtsanwaltsbüro der Behörde telefonisch mitgeteilt habe, dass in verschiedenen Produkten wohl auch geringe Mengen an CBD festgestellt wurden, weshalb auch von einem Verstoß gegen die Novel-Food-Verordnung auszugehen ist. Denn auch für Produkte mit Cannabidiol (CBD) ist nach Angaben des Bundesamts für Verbraucherschutz eine Zulassung nötig.

Nach Angaben einer Sprecherin der Behörde sollen die Ergebnisse der seitens der Ermittlungsbehörden veranlassten Untersuchung von Produkten durch das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA BW) noch ausstehen.

Die groß beworbene Cannabis-Aktion könnte so für Lidl noch ein weiteres Nachspiel haben …

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